Der Blog zur Achtsamkeit
Hier gibt es von Zeit zu Zeit Hilfreiches, Lesenswertes und Gedanken rund um Achtsamkeit und Präsenz.
Wie schön, wenn du immer wieder mal vorbei schaust!
Warum eigentlich Raum 900?
So fing alles an...
Was der Raum 900 ist: Ein Seminarraum. Unterm Dach, offen bis zum Dachspitz. Stäbchenparkett. Schaffell-Yogamatten mit Kissen im Kreis. Eine Holzbank mit Kerze, einem wunderschönen Ikebana, einer Kalligrafie als schwarzer, dicker Pinselstrich.
Im Raum 900 haben wir uns immer wieder getroffen, um unsere verschiedenen Module der Ausbildung zur MBSR-Lehrerin und zum MBSR-Lehrer zu absolvieren.
Es wäre ein schlichter Seminarraum gewesen, würde er nicht auf einem besonderen Fleckchen Erde liegen: Am Benediktushof in Holzkirchen bei Würzburg.
Eine Anlage mit imposanter Kirche, dem Ost-und Westflügel, Sandsteingebäude, aufwändig renoviert, Neubauten, behutsam integriert. Wunderschön angelegte Pflanzenbeete, ein kleiner Springbrunnen und eine Wasserstrasse mit Goldfischen.
Egal, wann ich dort bin, hier ist immer etwas los. Jedoch auf eine ganz besondere Art: Alle Menschen gehen ein wenig langsamer, ein wenig bewusster, ein wenig achtsamer. Keiner spricht, auch nicht beim Essen. Und ich stelle mir vor, von oben auf diese Szenerie zu schauen: Wie die Menschen trotzdem miteinander schwingen. Vielleicht wie ein grosser Fischschwarm? Jeder Einzelne ist in seiner Bewegung - und schwingt mit in der Bewegung des grossen Ganzen, verbunden und eins mit allem.
An den Benediktushof gehen ist für mich wie ein „Übertritt“ in eine andere Welt. Raus aus der Welt der Aufgaben und To Do-Listen, dem Nachrichtenstrom, dem Nach-Aussen-Gekehrt-Sein, dem Machen und Tun. Rein in eine Welt der inneren Einkehr, der Ruhe und des Friedens, des Seins und (Los-)Lassens. Und des Gefühls, mal wieder bei sich anzukommen. Das kann durchaus anstrengend sein, denn nicht jede innere Stimme will ich hören. An Tag zwei stellt sich dann aber meistens schon eine Klarheit ein, bei der ich dann doch wieder sicher bin, dass ich manchmal ein wenig Benediktushof brauche, um mich wieder zu sortieren und daran erinnert zu werden, sich dem Lauf des Lebens zu überlassen und darauf zu vertrauen, dass alles schon seine Richtigkeit haben wird.
Und deshalb habe ich mein Unterfangen also RAUM 900 genannt. Ein Raum, in dem wir Achtsamkeit praktizieren – und weit darüber hinaus ein Raum, in dem alles Platz hat, was das Leben bietet. Das Schöne und Schwere, das Fröhliche und Leichte wie auch die Angst und der Schmerz. Und es so zu betrachten, wie es ist, mit einer Haltung der Offenheit, des Wohlwollens und Mitgefühls. Ein Raum, in dem sich die volle Menschlichkeit zeigen und entfalten darf.
Ja, das mag ein Risiko sein. Und doch birgt es die Chance, innere Hindernisse, Konzepte und Illusionen über Bord zu werfen. Und sich zu öffnen für Dinge, die wir uns vorher nicht vorstellen konnten – und einen Schatz zu finden, der uns hilft, die Wellen des Lebens heilsamer zu reiten.
Herzlich willkommen im RAUM 900!
